Faires Zeug aus Europa CO2 Neutral zu dir nach Hause Ab 100€ Versandkostenfrei

Grüner Mensch mit wirtschaftlichen Fingerspitzen?

Meine Freizeitprojekte scheinen El Hotzo einfach nicht loszulassen. Ich find‘s cool, dass sich so viele Menschen immer wieder damit beschäftigen was ich so treibe und ich muss sagen, der Vergleich ist gar nicht schlecht – obwohl beide Stimmen an die Grünen gingen. Ich würde eher sagen: Ich verwirkliche meine Ideen grün und spiele dabei wirtschaftlich nach gelben Regeln, ohne ihre Werte zu vertreten. Lass mich kurz erklären warum:

Wieso wurden Tesla, Beyond Meat und Oatly von allen so gefeiert? Zugegeben, da wurden mittlerweile einige extrem kritische Entscheidungen getroffen, aber dennoch: Die haben alle etwas gemacht, womit sich heute sogenannte „Impact Fonds“ brüsten. Ein Businessansatz, der neben dem finanziellen Erfolg auch positive soziale oder ökologische Auswirkungen hat.

Vor ein paar Jahren habe ich bei der Zeit mal einen Vortrag gehalten, der sich dann mehr zu einer unternehmerischen Selbsthilfegruppe entwickelt hat. Alle haben von ihren Ideen erzählt und zusammen haben wir überlegt, wo es vielleicht hakt und warum ihre Gründung nicht so funktioniert, wie sie sich das gewünscht haben. Gerade in meinem Umfeld habe ich schon so viele krasse Ideen gehört, die alle 100% grün und 0% wirtschaftlich gedacht waren. Wie soll das jemals so groß werden, dass es wirklich etwas verändert?
Ist es nicht viel klüger in unserem Finanzgefängnis einen Weg zu finden etwas zu entwickeln, das nach den Spielregeln der Großen funktioniert und dennoch nicht auf dem Rücken anderer oder unseres Planeten ausgetragen wird?


Ich habe festgestellt, dass mir niemand zuhört, wenn ich erzähle was ich vorhabe aber plötzlich jeder zuhört, wenn ich dann damit Rekorde breche. Die meisten werden hellhörig, wenn es um Umsatzrekorde geht. Danach will jeder wissen, wie ich das gemacht habe. So war es bei meinen Alben, den Klamotten, meinem Dokumentarfilm usw. Alle waren wirtschaftlich sehr erfolgreich, haben dabei den kleinstmöglichen ökologischen Fußabdruck, bringen ‘n Haufen Spendengelder und/oder Künstlerförderungen mit sich und niemand wurde ausgebeutet.

 

Wie hab ich das gemacht?

Indem ich nur so viel herstelle, wie es auch AbnehmerInnen gibt und so weniger Müll produziere, indem ich nachhaltige Materialien verwende und entgegen dieser hartnäckigen Internetmeinung: Alle Beteiligten immer fair bezahle. Ich versuche den kompletten Weg aller Mitarbeitenden und Materialien zu verstehen und dabei darauf zu achten, dass niemand zu Lasten der Profitabilität hinten runterfällt. Weder unser Planet, noch Filomena und ihr Team aus Portugal, die z.B. für ODERSO produzieren.

Nur durch den kommerziellen Erfolg werden diese Ansätze zu neuen Standards. In der Musikbranche haben wir wirklich etwas verändert und dafür gesorgt, dass andere KünstlerInnen auch nicht mehr blind Plastikscheiben für die Mülltonne produzieren. Gleichzeitig haben wir den Druck auf die Industrie erhöht, auf die Herkunft ihrer Produkte und den Produktionsprozess zu achten, weil auch ihre KundInnen das mittlerweile fordern. Zu hinterfragen, wo das Zeug eigentlich herkommt, wer es in der Hand hatte und ob nach der Fertigstellung wirklich alle Beteiligten bedacht wurden, ist auf einmal genauso wichtig, wie die Gestaltung der Produkte an sich.
Meine Freundin Marie sagt immer, wenn wir darüber diskutieren: „Allein durch wirtschaftliche Erfolge, wird sich die Welt nicht ändert“. Und da hat sie wohl Recht. Wir kommen nicht um einen Systemwandel herum. Wirtschaftlich, politisch und sozial. Der muss aber eingeleitet werden und vielleicht ja so.



Fynn Kliemann macht scheiße zu gold

Ich mache dabei immer noch einfach was ich liebe, kennenlernen möchte oder spannend finde. Nur eben immer mit diesem Ansatz im Hinterkopf.

Denn kommerzieller Erfolg zwingt kapitalistisch denkende Firmen (also alle Firmen) ihre Prozesse zu überdenken. Sei es, wie durch global tactics, bei der Merch produktion oder eben beim Bau eines Autos. Wäre Tesla wirtschaftlich unerfolgreich gewesen, würde heute kein anderer Autobauer darüber nachdenken seine Verbrenner einzustellen. E-Mobilität alleine ist natürlich keine Lösung. Deswegen ist auch ein Werbeslogan wie „Klimaschutz durch Technologien“ sehr irreführend. Wenn alle weiter genauso viel Auto fahren wie vorher ist nichts gewonnen. Auch das fühlt sich an wie eine Übergangssituation aber irgendwie fühl ich mich zumindest sensibilisiert und alle haben es auf der Agenda.

So nur viel kleiner, wenn auch mindestens genauso wichtig, gehen wir das Thema Klamottenproduktion an. Wir bieten ökologische, plastikfreie, faire Alternativen, die trotzdem wirtschaftlich funktionieren. Denn nur so bringt man auch die Großen, die dann wirklich etwas systemisch verändern können, dazu umzudenken.

Also ja, ich bin wohl ein grüner Mensch mit wirtschaftlichen Fingerspitzen.
Fynn

Grüner Mensch mit wirtschaftlichen Fingerspitzen?